Liebesschloss mit Brückenkraft

Herzensschlösser an einer Brücke

Da hängen sie, aufgereiht. Herz an Herz. Zu tausenden hängen sie an Brückengeländern, Laternen, Bänken oder Gittern. Ein romantisches Ritual von Verliebten, die ihre Liebe damit besiegeln und verewigen. Was in den Herzen ist, wird nach außen für alle sichtbar gemacht: Mit Initialen. Mit Datum. Hier sind wir und wir lieben uns. Das halten wir hier fest für immer. Die Brücke als Symbol der Verbindung, steht schließlich auch ewig. Wir schließen unsere Liebe ein.

Haben zwei das Schloss befestigt, werfen sie oft den Schlüssel in das Wasser unter der Brücke. An der Milvischen Brücke in Rom erfolgt dies mit dem Ausspruch per sempre („für immer“).

Lauter Liebesgeschichten hängen so aneinander aufgereiht. Schloss an Schloss. Liebesgeschichte an Liebesgeschichte. Zwei, die sich ewige Liebe schwören. Doch manch behängte Brücke ächzt unter der Last der vielen Liebenden. Auch Rost setzt an. Sollte Liebe nicht leicht sein? Lässt sie sich einschließen? Für immer? Und das Wasser unter der Brücke? Fließt es nicht unaufhörlich weiter und weiter. Trägt es gar den Geist der Schloss-Lieben fort in seinem Fluss?

Was wohl die Liebe dazu sagen würde?

Augenblicksblinken

Flügelt ein kleiner blauer
Falter vom Wind geweht,
Ein perlmutterner Schauer,
Glitzert, flimmert, vergeht.
So mit Augenblicksblinken,
So im Vorüberwehn
Sah ich das Glück mir winken,
Glitzern, flimmern, vergehn.

Hermann Hesse

So sind es die Augenblicke, oft so kostbar sind. Die Augenblicke, in denen wir erkennen. Die Augenblicke, in denen wir innehalten, sie genießen, lächeln und sie speichern in der Erinnerung, bevor sie vergehen. Ein ewiges Blinken, so scheint mir so mancher Augenblick. Nichts bleibt vermeintlich. Und doch bleibt etwas. In unseren Herzen. In unserer Erinnerung. In unserem Leben. Ein ewiges Blinken.

Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden …

Strand in Ligurien (privat)

Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden,
in welchen meine Sinne sich vertiefen;
in ihnen hab ich, wie in alten Briefen,
mein täglich Leben schon gefunden
und wie Legende weit und überwunden.

Aus ihnen kommt mir Wissen, dass ich Raum
zu einem zweiten zeitlos breiten Leben habe.
Und manchmal bin ich wie ein Baum,
der, reif und rauschend, über einem Grabe
den Traum erfüllt, den der vergangne Knabe
(um den sich seine warmen Wurzeln drängen)
verlor in Traurigkeiten und Gesängen.

Rainer Maria Rilke

Herzensmensch

Mosaikherz
Tausend Küsse send ich meinem Herzenmenschen.
An Dich mag ich so gerne denken.
An Dir, ja an Dir liegt mir was. 
Mit jedem Lächeln sage ich Dir das. 

Ohne Erwartung und ohne Bedingung. 
Wir schaukeln in einer grandiosen Schwingung.
Hüten in uns freudig hüpfende Herzen
Nichts kann uns diese Freude verschwärzen.

Dass es Dich gibt in meinem Leben
was könnte das Glück mir Schöneres geben. 
So dankbar, Dich erfahren zu dürfen. 
Es ist, als würden unsere Seele sich schlürfen. 

Taucherin

Geh Du tiefer in mir
Auf dass sich Deine Spur 
in meinem Herzen nie verlier. 

Ich tauch dazu ganz sanft 
und im nächsten Moment wieder auf
ins Leben hinein 
mit all meinem Sein.
Wie ich bin und noch viel stärker.

In mir Stille breitet sich aus.
Endlich sind da Wege.
Endlich ist Licht.

Jeder der Wege eine Chance, 
etwas mehr Sicht.
Im Herzen die Kraft
mit welcher ich liebe
und die das Loslassen schafft.

In mir Stille breitet sich aus.
Endlich ist da Freude - ein Lächeln.
Endlich ist Licht.

In den Augen noch die Tränen
die die Wangen befeuchten
Tränen die durchflossen
wieder vom Leben geküsst
Es ist an der Zeit zu vergeben.

In mir Stille breitet sich aus.
Endlich kann ich weitergehen - Schritt für Schritt
Endlich ist Licht.

Ein Hoch auf das Ab- und Auftauchen und das Weitergehen. 



La Befana – Ahnenfrau in der Rauhnacht

La Befana vien di Notte
con le scarpe tutte rotte 
il cappello alla romana 
viva viva la Befana.
Das heißt soviel wie: Das heißt so viel wie: 
Die Befana kommt bei Nacht, 
mit ihren kaputten Schuhen 
ihrem geflickten Kittel, 
es lebe die Befana!“ 

Die Zeit der Rauhnächte ist nun fast vorüber. Zahlreiche Gestalten aus überlieferten Legenden bewegen sich im "Dazwischen" der Jahre. Bringen Geschenke für die einen und Strafen für die anderen. Sie bewegen sich in der Dunkelheit. So auch Befana, eine Art italienische Weihnachtshexe - eine ältliche Frau mit krummem Buckel und langer Nase. Sie gilt als sehr liebenswürdig, als äußerst reinlich und fleißig. Aber auch rastlos. Ständig ist sie am sauber machen, putzen oder sitzt am Webstuhl. Nie ist sie fertig.

Eines Tages kehrten bei ihr drei Männer ein, schließlich galt Befana als besonders gute Gastgeberin. Es waren drei Sterndeuter auf ihrer Reise. Die Männer erzählten ihr von dem Stern, dem sie folgten und von der frohen Botschaft, dass ein ganz besonderes Kind geboren sei. Befana war neugierig und wollte alles ganz genau hören. Da fragten sie die Männer, ob sie sich ihnen nicht anschließen möchte. Doch Befana lehnte ab. Sie musste noch das Haus fegen und all die anderen Hausarbeiten erledigen. Auch der begonnene Teppich hing noch unfertig im Webstuhl. 

Die Männer brachen auf. Befana verrichtete ihre Arbeit, war aber nicht mehr bei der Sache. Die drei Reisenden, der Stern und das Christuskind ließen ihr keine Ruhe. Der Stern und das Jesuskind, wenn es wirklich stimmte, was die Männer erzählt hatten, warum war sie nicht mitgegangen? Verpasste sie gerade ein großes Wunder? „Wie ärgerlich“ befand Befana. Sie merkte, dass sie ihre Meinung geändert hatte. Sie wollte nun doch mitgehen. 

Doch als Befana nach draußen trat, konnte sie den Stern am Himmel nicht mehr finden. Sie hielt kurz inne und schwang sich dann auf ihren Besen. In der Hoffnung, eines der Kinder sei das besondere Kind, flog Befana mit ihrem Besen von Haus zu Haus. Den Kindern brachte sie Geschenke mit. Sie hatte jedes einzelne sehr gern. Das Jesuskind aber fand sie nicht. 

Seitdem macht sich Befana jedes Jahr in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar auf die Suche. Sie schenkt den braven Kindern Süßigkeiten und bringt den Unartigen Kohle als Gabe. Und es kommt vor, dass ihr die Menschen einen Becher Rotwein und ein bisschen Obst vor die Türe stellen. Es kann nicht schaden, sich mit einer Hexe gut zu stellen.

Befana verpasste in jener Nacht das Jesuskind und wird seither jedes Jahr zum Segen für Kinder und ihre Familien. Es ist ihre Bestimmung, den Menschen eine Freude zu bereiten. Jedes Jahr auf´s Neue. Sie gibt nicht auf und wird nie fertig mit dem Geschenke verteilen. Mittlerweile ist es vielleicht auch gar nicht mehr so wichtig, die Krippe zu finden mit dem Kind. Denn Befana findet etwas anderes: Jede Menge glückliche Gesichter, staunende Augen, Herzen voller Vorfreude und aufgeregte Kinder. Sie zaubert den Menschen ein Lächeln ins Gesicht, den Eltern, den Kindern und deren Kindern. 

Und so geht es immer weiter, Jahr für Jahr. Die alte Frau beschenkt die jungen Menschen. Die Verbindung von alt und neu wird durch die Gaben immer wieder erneuert. So bleibt die Verbindung mit Vergangenem und gleichzeitig beginnt etwas Neues. Und bei aller Reinlichkeit: Sich damit unnötig aufhalten, das bringt es nicht. Sonst verpassen wir die besten Sachen. Also: die Besen schwingen und den Träumen nachfliegen! Buenanotte! 

Schätzesammlerin

blaues Glück

Reichlich Schätze hab ich gesammelt dieses Jahr. Viele Momente werden in meinem Gedächtnis bleiben. Augenblicke, Begegnungen. Abschiede und Anfänge. Traurige und eindrucksvolle Erlebnisse. Küsse und Berührungen. Aufregungen und Müdigkeit. Bilder und Worte. Auch manches Wortlose. Der Blick auf die Menschen und Dinge, die mich im Alltäglichen umgeben.

Im Sein zwischen den Jahren lasse ich das alles noch einmal aufleben mit konzentriertem Blick und Fühlen. Und dann gebe ich sie frei. Mache Platz für das Neue, das kommen darf und kommen wird. Was gut ist, bleibt sowieso. Mindestens im Herzen. Und so geh ich weiter auf meinem Weg und sammle Lebensschätze. Bedachter vielleicht als noch in jungen Jahren. Behutsamer in dem Wissen, wie zerbrechlich manches sein kann. Und aus dem Gehen und dem Begegnen, dem Sammeln und Loslassen entstehen die Geschichten, die ich erzählen kann. Mir selbst und anderen.

Oft sind die kleine Schätze die Schönsten. Die blauen Blüten auf dem Bild sehen von jeder Seite anders aus. Die Farbe schimmert je nach Lichteinfluss mal heller, mal kräftiger. Und jede einzelne ist ein kleines Wunderwerk für einige Zeit. Dann heißt es Abschied nehmen. Wachsen. Blühen. Vergehen. Umso schöner, dass es die Erinnerung gibt. Plätze in unseren Herzen und Gedanken. So können wir in dunklen Zeiten auf unsere inneren Schätze zurückgreifen und Kraft sammeln. Oder wie Albert Camus es so wunderbar beschrieb:

Mitten im Winter erfuhr ich endlich, dass in mir ein unvergänglicher, unbesiegbarer Sommer ist.“

WinterWunder

privat

Da liegt ein süßer Duft in der Luft. Eine Ungewissheit. Und da ist ein Weg, der sich ausbreitet vor uns. Ganz ruhig liegt er vor uns da. Am Horizont eine Verheißung. Über uns ein Sternenmeer. Und dann ist da ein Stern. Ein besonderer. Es ist gut, ihn da zu wissen. Wir sehen ihn und gehen weiter. Stapfen durch die Schneedunkelheit. Sie umhüllt uns und hält die Hoffnung aufrecht. Ab und an halten wir inne und verschnaufen. Schauen uns um und versichern uns, dass wir noch richtig sind, die Sterne noch da, wo sie sein sollen. Und wir schauen: Wer ist mit uns? Wer steht uns zur Seite? Wofür hatten wir uns nochmal auf den Weg gemacht? War das wichtig? Und dann sehen wir Vertrautes um uns, Menschen, die mit uns gehen. Und wir spüren, wie Kraft in uns wächst und uns etwas Halt gibt. Es fühlt sich gut an. Das hilft schon für das Weitergehen. Wärme breitet sich innen aus und es wird ein klein wenig heller. Wir vertrauen unseren Füßen und dem Weitergehen und dem sich-geborgen-fühlen im Winterwunder.

Tagträumen

Superhelden

Ich mag Tagträumen. Besonders Kinder sind unglaublich begabt, was das Tagträumen angeht. In Tagträumen entwickeln sie spontan jede Menge Kräfte. Im so „tun-als-ob“ schaffen sie einzigartige Räume und nicht selten ein ganzes Wunderland. Die Schule wird gewuppt, mit den Freunden Unglaubliches erlebt und die Eltern sind gechillt. Auch uns Erwachsenen steht das Tagträumen gut. Wir können uns in Geschichten und Bilder zaubern, in denen wir Heldenhaftes vollbringen oder in dem alles einfach nur einfach ist. Wir fühlen uns wahrgenommen und angenommen. Wir können Dinge tun, die wir schon länger nicht mehr gemacht haben. Und… Fantasie hin oder her. Es tut immer gut, eine Meistertat zu vollbringen. Warum nicht öfter und mehr davon? Die Versunkenheit genießen und in ungewöhnliche Rollen schlüpfen. Solche, die wir im Alltag nur selten bekleiden oder nur mit größerem Aufwand. Im Tagträumen ist es leicht. Gib mir ein Abenteuer und ich bin dabei. Ohne Furcht. Die braucht ich nicht.

oder wie Hermann Hesse in „Die Kindheit eines Zauberers“ schrieb:

„… ich wusste Bescheid in der Welt, ich verkehrte furchtlos mit Tieren und Sternen, ich kannte mich in Obstgärten und im Wasser bei den Fischen aus und konnte schon eine gute Anzahl von Liedern singen. Ich konnte auch zaubern, was ich dann leider früh verlernte und erst in höherem Alter von Neuem lernen musste, und verfügte über die ganze sagenhafte Weisheit der Kindheit…“

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Also ihr Traumjäger und Traumjägerinnen da draußen: es lohnt sich immer mal wieder ein bisschen so zu tun „als-ob“ und hineinzutauchen in wohlbefindliche Träume. Sie heben heimliche Kräfte, die in uns stecken. So können wir uns in unseren gesamten Möglichkeiten immer mal wieder ein bisschen neu entwerfen.

Morgenstiller Moment

Sonnenstrahlen wärmen sanft meine Stirn
Nächtliche Kühle kriecht noch unter den Pullover
Eine Elster schnattert aufgeregt
Die Sonne zeigt sich davon unbewegt

Still ist es noch überall
nur der Vögel Urgezwitscher 
ich atme tief ein in meiner morgendlichen Oase
Kühle Luft zieht in die Nase

Was kann näher sein
An uns, an mir
Als sich hinhalten, genau zu hinzuspüren
Und sich hineinfallen lassen in den Tag durch alle Türen

Abgestreift ist das Dunkel der Nacht
All die Gedanken, furchtvolle Gespinste und Geräusche
Die auffahren, nicht schlafen lassen
All das scheint jetzt lächerlich und nicht mehr recht zu passen

In des Tages Angesicht 
streck ich die Nase dem Licht entgegen
Saug in mich auf seine Wärme und Kraft
So machen der Tag und ich unsere erste Bekanntschaft

Für einen morgenstillen Moment.